Wir sind (auch) unser Job.
Zwischen Rolle und Identität
Job Reality ist ein fotografisches Kunstprojekt über die feinen Verschiebungen zwischen Beruf und Persönlichkeit.
Im Zentrum steht die Gegenüberstellung von Menschen in zwei Zuständen:
in ihrer beruflichen Rolle und jenseits dieser Rolle.
Berufe, die weit mehr sind als Funktionen.
Sie formen Haltung, Ausdruck, Körpersprache – und beeinflussen, wie wir gesehen werden.
Die Fotografien untersuchen diesen Übergang:
den Moment, in dem sich eine klar definierte Rolle auflöst und Raum für eine andere Lesart derselben Person entsteht.
Uniform, Arbeitskleidung oder performative Inszenierung erzeugen eine visuelle Codierung.
Doch jenseits dieser Marker zeigt sich eine zweite Ebene – leiser, offener, weniger eindeutig.
Was sichtbar wird, ist keine klare Trennung, sondern ein Spannungsfeld:
zwischen Inszenierung und Authentizität,
zwischen Erwartung und Selbstbild,
zwischen Funktion und Freiheit.
Job Reality bewegt sich bewusst an der Schnittstelle von Dokumentation und künstlerischer Interpretation.
Die Bilder behaupten nichts – sie präzisieren den Blick.
Sie stellen nicht die Frage, wer jemand „wirklich“ ist,
sondern zeigen, wie vielschichtig Identität gelesen werden kann.
Ein Projekt über Präsenz.
Über Wahrnehmung.
Und über das, was sich verändert – sobald sich der Kontext verändert.
GR Art & Photography
Gaby Ristic (*1961) lebt und arbeitet in Wien.
Ihr künstlerischer Zugang ist geprägt von einer langjährigen Auseinandersetzung mit Sprache und Bedeutung. Nach dem Studium der Germanistik war sie über Jahrzehnte als Professorin am Vorstudienlehrgang tätig – ein Kontext, in dem Fragen nach Ausdruck, Übersetzung und kultureller Codierung zentral sind.
Diese Denkweise überträgt sie in ihre fotografische Praxis.
Erst in der Phase nach ihrer institutionellen Laufbahn verschiebt sich ihr Fokus konsequent in Richtung Bild. Fotografie wird dabei nicht als rein dokumentarisches Medium verstanden, sondern als analytisches Instrument, das soziale Rollen, visuelle Codes und Formen von Identitätskonstruktion untersucht.
Unter GR Art & Photography entwickelt Ristic Arbeiten an der Schnittstelle von Beobachtung und Setzung. Ihre Bildsprache ist reduziert, präzise und von einer stillen Strenge, die weniger inszeniert als vielmehr freilegt.
Im Zentrum steht der Mensch – jedoch nicht als feste Größe, sondern als veränderliche Projektion im Kontext von Erwartung, Funktion und Selbstentwurf.
Arbeiten wie Job Reality verhandeln genau diesen Zwischenraum:
den Moment, in dem Identität nicht eindeutig ist, sondern lesbar wird.
Eine Praxis, die weniger zeigt, was ist –
als vielmehr sichtbar macht, wie es gesehen wird.
Der Text darüber beschreibt die Künstlerin des Projekts. Hier können Sie sich zusätzlich ein ausführlicheres Interview direkt vor Ort anhören.